Das Fach Darstellendes Spiel ist ein künstlerisches Fach, in dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Schritt für Schritt lernen ihren eigenen schauspielerischen Ausdruck zu entwickeln. Dies kann nur durch ein Großmaß an praktischen Übungen geschehen. Doch genauso wichtig ist es, einen Schritt aus der Szene herauszutun und über seine eigene Spielpraxis und die der anderen nachzudenken. Lob bekommen, Kritik einstecken, Kompromisse finden und verlässlich in einer Gruppe auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, die Bereitschaft hierzu ist ebenso notwendig wie Spielfreude und Interesse am Theater.
Schülerinnen und Schüler, die sich für das Fach Darstellendes Spiel entscheiden, brauchen keine Vorerfahrungen zu haben, aber sie müssen die Bereitschaft haben sich auf Neues und Ungewohntes einzulassen. Im Theaterspiel lassen sich Utopien, Vorstellungen von einem besseren Leben, erproben, doch genauso gehören die menschlichen Katastrophen dazu. Nicht immer spielt man die Helden, die Reichen und Schönen, sondern manchmal irrt man verlassen, verwirrt und alt über die schottische Heide.
Eine typische Unterrichtsstunde beginnt mit einem Aufwärmtraining.
Hier werden Spiele und Übungen erprobt, um körperlich zu lockern, Vertrauen zu den Mitspielern aufzubauen oder Sensibilität und gegenseitiges Wahrnehmen zu fördern, indem z. B. verschiedene Gangarten durch den Raum erkundet werden, imaginäre Bälle durch die Luft fliegen etc.
Im folgenden Theatertraining geht es u.a. um die Entwicklung individueller Ausdrucksmöglichkeiten von Körper und Stimme und den Aufbau theatraler Situationen durch Improvisation. So lässt sich das Wesen von Konfliktsituationen durch Verfremdungen erforschen. Eine Aufgabe könnte dann z.B. darin bestehen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Schimpfwörter aus den Wortfeldern Obst, Gemüse, Automarken etc. finden und verwenden müssen.
An dieser Stelle sei aber auch darauf hingewiesen, dass niemand sich allein vor den anderen produzieren muss, sondern die Aufgaben immer von allen gleichzeitig oder in Zweiergruppen gelöst werden.
Der zweite Teil der Doppelstunde ist zumeist den Proben vorbehalten, denn das Fach Darstellendes Spiel zielt auf eine Aufführung. Je nach Entwicklungsstand der Gruppe kann es sich bei dem gezeigten Produkt um eine Collage aus einzelnen Szenen, die Inszenierung einer Textvorlage oder aber um eine Eigenproduktion handeln. Damit die Entwicklung einer Eigenproduktion gelingt, sind Kenntnisse theatraler, dramaturgischer und schauspielerischer Prinzipien notwendig, die in den drei Jahren der Oberstufe erarbeitet werden sollen.
Im Jahrgang 11 stehen zunächst die Grundlagen des Schauspielens im Vordergrund. Erforscht werden sollen
elementare bühnenspezifische Ausdrucksmittel wie Kostüm, Maske, Requisit,
das eigene Ausdrucksvermögen in Mimik, Gestik und Bewegung,
Prinzipien der Rollengestaltung und der szenischen Darstellung.
In den Jahrgangsstufen 12 und 13 wird die Theaterarbeit zunehmend komplexer. Die Inszenierung und ihre Dramaturgie stehen nun im Mittelpunkt, z.B. bei
der Modifizierung und Modernisierung einer dramatischen Textvorlage,
der Rollengestaltung mit Text und Subtext,
dem Einsatz von Musik, Licht und Leitrequisiten,
der theoretischen und praktischen Auseinandersetzung mit dramaturgischen Konzepten wie dem offenen (Brecht etc.), geschlossenen (Sophokles etc.) oder absurden Theater.
Die Verdienste des Faches können groß sein, kognitiv z.B. lernt man argumentativ seine Meinung zu vertreten oder komplexe Texte zu analysieren und zu interpretieren. Kreativ entwickelt man ein Denken in Handlungsalternativen. Affektiv kann man sein Selbstvertrauen, seine Konflikt- und Kompromissfähigkeit verbessern. Doch ein Verdienst ist nur ein Gerücht: „Endlich ein Fach ohne Hausaufgaben!“ Dieses Gerücht ist falsch! Hausaufgaben gibt es sehr wohl. Ein Theaterstück von 90 Minuten Länge besteht aus ca. 40 bedruckten Din-A-4 Seiten Text. Und die müssen gelernt werden. Zuhause.