Mittwoch, 11. Februar. Ex-Neo-Nazi Philip Schlaffer bereitet sich in der Aula der Oberschule Rockwinkel auf seinen Vortrag vor, während die Q1 gespannt wartet. Philip Schlaffer sportlich, breit gebaut und mit vielen Tattoos überdeckt, so reist er mit 47 Jahren durch Deutschland um vielen Menschen seine Geschichte zu erzählen.
Stille liegt im Raum als Philip Schlaffer anfängt zu sprechen, kaum jemand hätte gedacht, dass ein ehemaliger Neonazi so offen über seine Vergangenheit berichtet und genau das sorgt für gespannte Aufmerksamkeit in der Aula. Am 11. Februar besuchte der Ex-Neo-Nazi, Philip Schlaffer die Oberschule Rockwinkel, um über seinen Weg in die rechtsextreme Szene und seinen späteren Ausstieg zu sprechen. Schnell wird deutlich, dieser Vortrag ist kein gewöhnlicher Schulvortrag, denn die Schülerinnen und Schüler hören aufmerksam zu, viele melden sich und stellen Fragen. Die Atmosphäre ist geprägt von Interesse, Respekt und viel Offenheit.
Schlaffer berichtet, wie er in seiner Jugend in die rechtsextreme Szene hineingeriet. Auf der Suche nach Zugehörigkeit und Orientierung fand er Anschluss in einer Gruppe, die ihm zunächst Halt gab. Doch dieser Halt hatte seinen Preis, denn er rutschte immer weiter in die Nazi- Szene hinein.
Im Laufe der Zeit war er an verschiedenen Straftaten beteiligt, für die er schließlich auch im Gefängnis war. Gewalt und Kriminalität wurden über die Zeit sein Leben. Erst durch entscheidende Erfahrungen und Erlebnisse begann er sein Leben zu hinterfragen. Der Ausstieg aus der Szene war allerdings ein langer und aufwändiger Prozess.
Besonders beeindruckend ist die Reaktion der Schülerinnen und Schüler. Viele zeigten großes Interesse, stellen kritische Fragen und setzen sich aktiv mit dem Vortrag auseinander. Der Vortrag entwickelte sich also zu einem Austausch und auch danach wurden noch viele Fragen gestellt, die auch spannend und interessant waren.
Durch die Suche der Schuld bei anderen und dem Eintritt in die NPD/Heimat entwickelte Schlaffer ein bestimmtes Bild und eine bestimmte Einstellung gegenüber anderen Menschen. Er verurteilte sie wegen ihres Aussehens, wie zum Beispiel ihrer Haut-und Haarfarbe. So entstand Hass und Wut, was zu Gewalttaten wie Schlägereien führte. Außerdem ging er auf Demos oder traf sich mit weiteren Mitgliedern seiner Neo-Nazi Gruppe. In der Schule bekam er nur noch schlechte Noten, welche ihm zuhause Probleme bereiteten, sodass er nur noch Halt in seiner Gruppe fand. Mit dieser Gruppe griff er auch andere Gruppen an, wurde mit 17 das erste mal niedergestochen und besaß sogar illegale Schusswaffen. Schlaffer erzählt eine Geschichte, die ihm in seiner Jugendzeit passierte, in der bei einer Hausdurchsuchung, eine illegale Schusswaffe gefunden wurde. Dies hatte aber keine Folgen, da sein Vater ihn, überraschender Weise, deckte und behauptete es sei seine gewesen. Auch als Erwachsener umgab sich Schlaffer weiterhin nur mit anderen rechtsextremen Neo-Nazis. Er fand seine erste Liebe mit 20, auch mit einer Rechtsextremen und gründete seine eigene Gruppe namens: „Kameradschaft Werwölfe“. Mit seinen Mitgliedern besuchte er Nazi-Konzerte, eröffnete einen Tattoo-Laden, einen Laden für Neo-Nazi-Merch und wurde ein bekannter Musikproduzent in der rechtsextremen Szene.
Nach diesen Erzählungen wird Philip Schlaffer ernst und beginnt eine weitere Geschichte aus seinem Leben als Neo-Nazi zu erzählen.Er erzählt von einer Silvesterfeier, die er mit seinen Kameraden aus der Gruppe “Kameradschaft Werwölfe“, in ihrem Clubhaus feierte. Kurz nach Mitternacht ging Schlaffer nach Hause, doch ein paar Kameraden feierten noch bis in die Morgenstunden. Etwa zwischen sechs bis acht Uhr ging ihnen das Bier und die Zigaretten aus, weshalb sie einen Bekannten baten, ihnen neues Bier und Zigaretten zu bringen. Als dieser Bekannte, namens Frank, die Sachen brachte, entschied er noch zu bleiben. Die Mitglieder des Clubhauses, also Schlaffers Kameraden, feierten mit Frank noch weiter, bis dieser sich mit einem Mitglied anfing zu streiten. Dieser Streit artete aus und die beiden Männer fingen an, aufeinander los zu gehen. Auch die anderen Mitglieder mischten sich in die Schlägerei ein und schlugen auf Frank ein. Über mehrere Stunden wurde Frank schwer verletzt von den sechs Männern gequält, bis dann einer von ihnen, ihn mit einem Messer tötete. Frank starb dort, als frisch verheirateter Vater von einem ein jährigen Sohn, der später den Kontakt zu Schlaffer suchte, um zu erfahren, was mit seinem Vater passierte. Nach dem Mord stieg Schlaffer aus seiner eigenen Gruppe aus, behielt aber noch die rechtsextreme Ideologie bei. In Rostock schloss er sich einem kriminellen Motorrad Club an, der auch viele Verbindungen nach Bremen hatte. Er fing an, Drogen zu handeln, hatte Rotlichtwohnungen, leitete die Gruppe und eröffnete eine weitere Firma. Über viele Jahre war er dort der Präsident der Gruppe und führte auch „Krieg“ gegen andere Gruppen, wo er das zweite Mal niedergestochen wurde. Er wurde festgenommen, aber kam wieder frei, da Zeugen sich nicht trauten gegen ihn auszusagen. Schlaffer erzählt wie gut und mächtig er sich in dieser Zeit fühlte, bis er krank wurde. Wegen schwerer Migräne und Schlafstörungen suchte er einen Arzt auf, der ihm riet sein Leben zu verändern, damit weniger Stress entstand. Doch Schlaffer traut sich nicht, aus seiner Gruppe auszusteigen, sodass er noch ein halbes Jahr lang weiterhin Mitglied ist. Nach diesem halben Jahr wird seine Gruppe von der Polizei verboten, was Schlaffer nutzt um seinen Mitgliedern mitzuteilen, dass er endgültig aussteigt. Danach bricht sein Leben zusammen und er rutscht in eine depressive Phase. Doch seine Familie unterstützt ihn und hilft ihm. 6 Monate nach seinem Austritt, wird Schlaffer nochmal verhaftet und angeklagt. Er wird zu 3 Jahren Haft verurteilt. Im Gefängnis wendet er sich an den Gefängnispsychologen und an eine Pastorin und bittet um Hilfe. In der Therapie, im Gefängnis, öffnet er sich und arbeitet sein ganzes Leben auf, um herauszufinden wo der Hass herkam und wie solche Entwicklungen entstehen können. Außerdem lernt er neue Menschen kennen, Menschen mit einer anderen Hautfarbe, Haarfarbe oder Menschen mit einer Behinderung, also Menschen gegen die Schlaffer eigentlich mal war. Er öffnet sich auch ihnen und schließt neue Freundschaften. Schlaffer erzählt, dass Veränderung nicht über Nacht funktioniert, sondern dass er bis heute in dem Prozess seiner Veränderung ist. Im Jahr 2016 wird er entlassen und ist bis heute straffrei. Nach seiner Haft gründete er eine eigene erfolgreiche Firma und hält nebenberuflich Vorträge über sein Leben und sorgt für Aufklärung. Heute ist er glücklich Verheiratet und hat einen Sohn. Zum Abschluss seines Vortrages durften Schüler*innen Fragen stellen, die Schlaffer relativ ehrlich beantwortete, da er Fragen auch umging und sehr oberflächlich antwortete. Außerdem wurden Interviews mit Lehrern und Schülern gemacht, um ein Feedback vom Publikum zu bekommen. Hierbei wurden drei Fragen gestellt: Ob es Erwartungen gab, wie den interviewten Personen es gefallen hat und ob sie glauben, dass solche Vorträge wirksam gegen Rechtsextremismus sind. Die jeweiligen Antworten kann man gut zusammenfassen. Bei der ersten Frage hatten die interviewten Personen die Erwartungen, dass der Vortrag den Schüler*innen einen guten und lehrreichen Einblick in das Thema Rechtsextremismus gibt. Diese Erwartungen wurden auch erfüllt, wie sie bei der zweiten Frage klarstellen. Sie fanden den Vortrag spannend, bewegend und für die Oberstufe angemessen. Bei der dritten Frage stimmen die interviewten Personen wieder zu, da sie glauben, dass solche Vorträge Schüler und Schülerinnen von der rechten Szene fernhalten können, oder diese ganz umstimmen können. Es ist anders als in einer Dokumentation, viel echter und näher, finden auch wir.
Emma Bielefeldt und Lilli Schwiegershausen (Schülerinnen der G25c)
Sechs Schulen, acht Mannschaften, 120 Schüler*innen, viele Tore, lautstarke Fans und eine großartige Fairplayaktion
Am 02.11.21 haben unsere zwei Schulteams die Rocky Kickers und die Kick it Rockys im Sportpark Horn-Lehe die neue CCL Saison bei strahlendem Sonnenschein eröffnet und zum ersten Spieltag der Gruppe 2 eingeladen. Neben dem hervorragendem Wetter, einem reibungslosen Ablauf und vielen fußballerischen Glanzmomenten, bleibt vor allem eine großartige Fairplayaktion im Gedächtnis.
Die CCL-Liga ist eine Fairplay-Fußballliga, an der 15 Bremer Schulen in Kooperation mit Werder Bremen teilnehmen. An insgesamt acht Spieltagen werden dabei Punkte für gewonnene Spiele, faires Verhalten auf dem Spielfeld und soziales Engagement neben dem Platz verteilt.
Bereits am Montag waren viele Schüler*innen unseres 6. Jahrgangs damit beschäftigt, gesunde Snackpakete zu packen, Schilder zu bedrucken, die Musikanlage zu überprüfen und alle wichtigen Vorbereitungen zu treffen. Gemeinsam mit Sportlehrerkollegen unserer Schule, dem Betreuerteam von Werder Bremen und unserem 6. Jahrgang konnte so am Dienstagmorgen in kurzer Zeit der Rahmen für einen würdigen Auftakt in die CCL-Saison geschaffen werden.
Toller Fußball und die erste Grüne Karte der CCL-Saison
Nachdem alle teilnehmenden Teams aus der näheren Umgebung pünktlich und umgezogen auf dem Platz eingetroffen sind, unsere Schülerlotsen aus Jahrgang 6. diese begrüßt haben und die Schulschiedsrichter des 10. Jahrgangs die gemeinsame Erwärmung angeleitet haben, liefen pünktlich um 10:00 Uhr die ersten Mannschaften, unter großem Beifall der Zuschauer und begleitet von der Einlaufmusik, ein. Gespielt wurde dabei in gemischten Teams im 6 vs. 6 auf zwei Kunstrasenspielfeldern parallel. So haben alle Teams in ihrer Pause entweder bei einem gesunden Snack tolle Fußballspiele als Zuschauer genießen können, oder auf dem anliegenden Beach- und Basketballplatz ein wenig die Bälle fliegen lassen können.
Neben fantastischen Torwartparaden, toll rausgespielten Toren und einem beeindruckendem Fallrückziehertor, hat besonderes eine Fairplayaktion für Applaus gesorgt. Nachdem ein Spieler vom FC GSO 09 den Ball per Traumtor im Netz versenkt hatte, ist der Torschütze eigenständig auf den Schiedsrichter zugegangen und hat um die Rücknahme des Treffers gebeten, da er sich mit dem Ball zuvor im Toraus befunden hatte. Die GSO 09 unterlag letztendlich mit 3:5, was die Bedeutung der Fairplayaktion unterstreicht. Hiefür wird nachträglich die erste Grüne Karte der Saison und damit zusätzliche Fairplaypunkte vergeben. Ein sportlich fairer Umgang miteinander ist im Endeffekt schöner als jedes Tor!
Spieler, Betreuer und Fans sind zufrieden
Während die Spieler*innen auf dem Platz für Spektakel sorgten und sich Trainer und Betreuer bei einem Becher Kaffee unserer Cafeteria Gedanken über die Taktik für eines ihrer insgesamt vier Spiele machten, haben sich zwischen 10:00 und 11:30 Uhr zahlreiche Schüler*innen unseres 6. Jahrgangs als Zuschauer und Unterstützer eingefunden. So schallten zeitweise laute „Rockys“ Sprechchöre für unsere beiden Schulteams über den Platz.
Sportlich war der Spieltag ein voller Erfolg. Von unseren insgesamt acht Spielen konnten unsere Teams vier Spiele gewinnen und ein Unentschieden holen. In der Fairplaywertung belegten wir sogar den 1. Platz! Um 13:30 Uhr ertönte dann der finale Abpfiff. Während unser 6. Jahrgang abbaute und die Gäste den Heimweg antraten, blieb bei allen Beteiligten vor allem die Freude darüber, dass der Ball endlich wieder in der Schulliga rollt!
Weiter Infos zur CCL auf der Homepage von Werder Bremen:
Tabelle: https://www.werder.de/werder-bewegt/lebenslang-aktiv/community-champions-league
Die besten Bilder: https://www.werder.de/werder-bewegt/lebenslang-aktiv/community-champions-league