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Deutsch

Auch wenn Mathematik die Königin der Fächer ist, wenn „alles“ Chemie ist, wenn Latein für das Studium unverzichtbar ist und so jedes Fach eine Begründung dafür findet, das wichtigste zu sein: Wo wären wir alle ohne die Sprache, die uns die Kommunikation über Fragen, Erkenntnisse und Resultate erst ermöglicht?

So sind denn die Ziele des Faches Deutsch sowohl im Grund- als auch im Leistungskurs „Allgemeinbildung, Studier- bzw. Berufsfähigkeit und Heranführung an wissenschaftliches Arbeiten“ (Rahmenplan für die Sekundarstufe II, Gymnasiale Oberstufe, Hrsg.: Der Senator für Bildung und Wissenschaft, Bremen). In beiden Kursarten soll literarisches und sprachliches Grundwissen erworben werden, das „zur Teilnahme am gesellschaftlichen literarischen Diskurs“ (ebd.) befähigt.

Die Schülerinnen und Schüler sollen in beiden Kursarten
das Unterrichtsgespräch mitgestalten;
Methoden der Informationsbeschaffung, des Textverstehens und der Präsentation ihrer Arbeitsergebnisse erlernen;
Literatur unter thematischen, historischen und gattungsspezifischen Gesichtspunkten untersuchen;
Sachtexte und Medienprodukte kritisch erschließen und deren Aufbau und Zielsetzung erkennen; ihre Schreibfähigkeiten erweitern;
lernen, über Sprache und Sprachverwendung zu reflektieren und Konsequenzen für das eigene Sprachverhalten zu ziehen.(ebd.)

Der Deutschunterricht in der Gymnasialen Oberstufe (GyO) konzentriert sich also auf die Bereiche ‚Sprache und Kommunikation’ und ‚Literatur’ und wird in 16 Unterrichtseinheiten (UE) gegliedert (Einführungsphase: 5 UEs, Qualifikationsphase 11: UEs).

In der Klassenstufe 11 geht es darum, an die Arbeit in der Oberstufe heranzuführen und Inhalte, Methoden und Schreibformen des Faches Deutsch vorzustellen, sprachliche Unsicherheiten zu erkennen und auf selbständiges, wissenschaftsorientiertes Arbeiten vorzubereiten. Ein weiterer und ganz entscheidender Schritt besteht darin, die Neugier für Literatur zu wecken und für die Möglichkeiten unserer Sprache zu sensibilisieren. Dabei lernen die KursteilnehmerInnen neue Lesewelten kennen, indem sie z.B. erfahren, welche Vorstellungen Schriftsteller bei ihrer Arbeit haben und welche Erwartungen sie an ihr Lesepublikum stellen. Auch der praktische Umgang mit Literatur (selber schreiben ist angesagt!) und der Besuch außerschulischer Lernorte (z.B. „literarische Spurensuche“ in Bremen, Lesungen etc.) sind Bestandteil des Unterricht – neben der Einführung in Methoden der Literaturbetrachtung bei der Behandlung eines umfangreichen Werkes der Epik oder Dramatik. Außerdem geht es immer wieder um die Erweiterung der eigenen sprachlichen Basis (Analyse journalistischer Texte; Produktion eigener Beiträge, Analyse zwischenmenschlicher Kommunikation und Behandlung von Erklärungsmodellen, die es ermöglichen, Alltagssituationen zu interpretieren, Kommunikationsstörungen zu analysieren und – vielleicht sogar - die eigenen Beziehungen zur Umwelt zu klären).

In den Klassenstufen 12 und 13 sind die besonders wichtigen Epochenumbrüche vom 18. zum 19. Jahrhundert (Aufklärung, Zeitraum von der französischen Revolution bis zum Ende der napoleonischen Herrschaft, Klassik, Sturm und Drang), vom 19. zum 20. Jahrhundert (Industrialisierung, Gründerjahre, Naturalismus, Symbolismus, Impressionismus, Jugendstil, Expressionismus u.a.) und nach dem Ende des 2.Weltkriegs Ausgangspunkte zur Beschäftigung mit Literatur.

Hierbei steht der Erwerb eines literaturgeschichtlichen Orientierungswissens im Vordergrund, und es werden Texte gelesen, die für eine Epoche bzw. einen Epochenumbruch exemplarisch sind. Spannende Werke gibt es hier zu entdecken, die in ihrer Zeitlosigkeit und Aktualität Überraschungen bergen und die so manch einer ohne Schule vielleicht kaum kennen- und (hoffentlich auch) liebenlernen wird: Schillers Kabale und Liebe und Lenz’ Die Soldaten, Heinrich Manns Der Untertan, und Döblins Berlin Alexanderplatz, Fontanes Effie Briest und Hauptmanns Die Ratten, Christa Wolfs Störfall und Nadolnys Entdeckung der Langsamkeit, junge zeitgenössische Autorinnen und Autoren – vieles ist möglich, manches ist verhandelbar, alles soll anregen zur Auseinandersetzung mit Literatur und Geistesgeschichte!

Am Ende der Qualifikationsphase sollen die KursteilnehmerInnen im Sprachbereich bei der Auseinandersetzung mit literarischen Vorlagen und Sachtexten in der Lage sein, über abiturspezifische Schreibformen zu verfügen. Dies sind u.a. Inhaltsangabe, Textanalyse, Texterörterung, Beschreibung, tatsachenbetonte journalistische Schreibformen, aber auch für die Textinterpretation notwendiges gestaltendes Schreiben, d.h. eigene Textproduktion bei der Stellungnahme zu Fragen.

Die Arbeitsformen, die wir anwenden um all diese Lernziele zu erreichen, sind so vielfältig wie die Themen: Einzelarbeit bei der Lektüre, Partner- und Gruppenarbeit bei der Klärung geistesgeschichtlicher Hintergründe, Referate, die die Gesamtgruppe über Rechercheergebnisse informieren, umfangreiche, mehrwöchige Hausarbeiten, die gestaltende Interpretation von Dramen durch Inszenierung einzelner Szenen – auch hier sind den Möglichkeiten und der Kreativität kaum Grenzen gesetzt.

Was sollte man mitbringen, wenn man sich für einen Leistungskurs im Fach Deutsch interessiert? Da wäre zunächst einmal die Lust am Lesen, denn der Umfang der Lektüre im Leistungskurs ist größer als der im Grundkurs. Gleiches gilt für die Bereitschaft, sich unabhängig mit längeren Texten zu beschäftigen, denn die eigenständige und tiefergehende Interpretation ist im Leistungskurs stärker gefordert als im Grundkurs. Außerdem wäre es gut, wenn man sich zutraut, die „Angst vor dem weißen Blatt Papier“ zu besiegen, denn im Leistungskurs ist der Anteil der eigengestalteten Texte größer.

Was gibt es auf jeden Fall? Drei aufregende Jahre der Reise durch unentdecktes Land und eine Menge Erkenntnisse über Literatur, aber auch über eigenes und fremdes Sprachverhalten und Sprachverständnis!