Pädagogik, was hat man sich eigentlich genau darunter vorzustellen?
Gegenstand des Pädagogikunterrichts sind im weitesten Sinne alle Erziehungs- und Bildungsprozesse. Die SchülerInnen sollen verstehen lernen, welche Bedeutung die Erziehung für den Menschen hat und befähigt werden, Erziehungsvorgänge zu beschreiben, zu verstehen und Maßstäbe ihrer Beurteilung zu entwickeln.
Warum ist das Fach Pädagogik gerade heutzutage von besonderer Aktualität?
In unserer modernen Industriegesellschaft stellen Erziehung und Bildung einen Aufgabenbereich mit wachsender Bedeutung dar. Das zunehmende öffentliche Interesse schlägt sich in der großen Zahl von Vorträgen/Fachtagungen und pädagogischen Diskussionen nieder. Die Medien versuchen die Bevölkerung für Erziehungs- und Bildungsfragen zu interessieren (z.B. durch Fernsehsendungen wie „der große Erziehungstest“ oder „die Supernanny“). Dass Erziehung und Bildung eine bedeutende Schlüsselfunktion bei der Bewältigung gesellschaftlicher Probleme zugewiesen wird, zeigen nicht zuletzt die anhaltenden Diskussionen um PISA.
Erfordert das Fach Pädagogik besondere Lernvoraussetzungen, für wen ist es geeignet?
Das Fach Pädagogik hat zwei positive Besonderheiten: Erstens erfordert es keine besonderen Voraussetzungen, da alle neu anfangen und es deshalb keine Erwartungen an fachspezifisches Vorwissen gibt. Es hat also niemand mit Wissenslücken aus der Sekundarstufe I zu kämpfen. Zweitens ist die unmittelbare Betroffenheit der SchülerInnen von dem Gegenstand des Faches, nämlich Erziehung, deutlich: So ist es ein wesentliches Ziel, die eigene Erziehungserfahrung mit Hilfe von Fachwissen zu überdenken und zu verarbeiten. Darüber hinaus werden die meisten SchülerInnen später wahrscheinlich auch Eltern, d.h. Erzieher. Das bedeutet, dass sich das Fach Pädagogik nicht nur an diejenigen SchülerInnen richtet, die einen Beruf im Bereich Erziehung/Sozialarbeit anstreben, sondern an alle
die Interesse daran haben, die eigene Erziehung zu reflektieren,
die sich für erziehungswissenschaftliche und psychologische Theorien und für Fragen der psychischen und sozialen Entwicklung von Menschen und des sozialen Zusammenlebens in Gruppen und Institutionen interessieren,
die einfach mehr über Kindererziehung wissen möchten.
Ist Pädagogik eigentlich nur etwas für Mädchen?
Diesem Vorurteil muss entschieden widersprochen werden. Pädagogik ist durchaus auch etwas für „Männer“, da sie einerseits auch eigene Erziehungserfahrungen haben und andererseits als potenzielle Väter und Erzieher die späteren wichtigen Identifikationsfiguren für Jungen bei der Erziehung in der Familie und im Beruf darstellen.
Themen und Inhalte des Pädagogik-Unterrichtes
Auf der Grundlage der eigenen Erfahrungen mit pädagogischen Prozessen sollen die SchülerInnen in der Einführungsphase die eigene Fragestellung der Pädagogik und die fachspezifischen Arbeitsweisen entwickeln sowie die wissenschaftlich-pädagogische Betrachtung von Alltagssichtweisen abzugrenzen lernen. Ziel ist:
die Einführung in Grundfragen der Erziehung und in Ergebnisse der Erziehungswissenschaften und Nachbardisziplinen (Anthropologie, Entwicklungs- und Lernpsychologie, Soziologie),
zu erkennen, dass Menschen der Erziehung bedürfen und lernfähig sind,
zu erkennen, dass menschliches Verhalten erklärbar und beeinflussbar ist,
zu erkennen, dass Normen und Institutionen nicht allgemeingültig, sondern historisch bzw. gesellschaftlich gewachsen und damit auch veränderbar sind.
Mögliche Kursfolge für einen Pädagogikgrundkurs
11.1
Grundfragen der Erziehung:
Werte und Normen in der Erziehung, Erziehungsziele und -methoden
11.2
Voraussetzungen pädagogischer Entscheidungen:
Erziehungsbedürftigkeit, Beeinflussbarkeit und Gefährdung menschlicher Entwicklung (Rolle von Anlage und Umwelt)
12.1
Entwicklung und Erziehung im frühen Kindesalter
12.2
Entwicklung und Erziehung in der mittleren Kindheit und im Jugendalter
13.1
Einführung in die Sozialpädagogik:
Schwerpunkt: „abweichendes Verhalten“
13.2
Fortführung von 13.1:
eingegrenzte Problemlage: Sucht, Rechtsextremismus, Gewalt
Alternativ:
Menschenbild und Persönlichkeit:
Weltbilder, die verschiedenen Theorien zugrunde liegen und deren pädagogische Implikationen
Arbeitsformen im Pädagogik-Unterricht und Leistungsbeurteilung
Die wesentliche Arbeitsform ist die Diskussion und das gemeinsame Erarbeiten von Wissen in Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit aus wissenschaftlichen Texten und Fallgeschichten, bzw. die Analyse von visuellen Darstellungen von Erziehungssituationen (Bilder, Filme, Statistiken etc.). Arbeitsmethoden wie Interviews, Plan- und Interaktionsspiele, Fallanalysen, empirische Datenerhebung, Projektmethoden, Gruppenarbeit und Präsentation sind als grundsätzlicher Methodenunterricht auch gut für andere Fächer zu nutzen!
Darüber hinaus wird die Öffnung des Pädagogikunterrichts angestrebt durch:
Einladung von Experten in die Schule
Besuch von Veranstaltungen und Einrichtungen (z.B. Kindergärten,Jugendgerichtsverhandlungen etc.)
Eigene „Erkundungen“ durch SchülerInnen (Fragebogenaktionen in Schulen,öffentlichen Bereichen wie Einkaufszentren etc.)
Praktikum (s.u.)
Die SchülerInnen sollen eigene Arbeiten erstellen
Referate
Berichte von Erkundungen und Praktika
Erarbeitung eines pädagogischen Themas in Form eines längeren Projektes
Praktikumsbericht als kleine „Forschungsarbeit“ (Das Praktikum wird mit einer selbst entwickelten Fragestellung angetreten, in „forschender Arbeit“ verfolgt und die Ergebnisse werden als schriftliche und mündliche Präsentation dem Kurs vorgestellt.)
Pro Halbjahr werden in der Regel 2 Klausuren geschrieben. Praktikums- und Projektberichte können eine Klausur ersetzen. Die mündlichen Leistungen werden – den Fachdiskussionen angemessen – stärker als in anderen Fächern berücksichtigt.
Praktikum
In Jahrgangsstufe 12 (zum Schulhalbjahreswechsel im Jan./Febr.) – wenn bestimmte pädagogische Grundkenntnisse vorhanden sind – sollen die SchülerInnen eigene pädagogische Erfahrungen sammeln in Erziehungseinrichtungen wie
Kindergärten,
Grundschule,
Erziehungsheimen.
Das Praktikum wird angeleitet, d.h. die Aufgabenstellung wird im Unterricht erarbeitet, die Präsentation der Ergebnisse und deren Bewertung findet anschließend im Unterricht statt.